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Die Schreberstraße ist eine nicht durchgängige Wegeverbindung, die den Stadtteil Wüste in Nord-Süd-Richtung durchquert. Sie wird durch den Pappelgraben unterbrochen und setzt sich im Norden als Kiesweg fort. Von den unverwirklichten Plänen aus den 1970er Jahren, hier eine Straßentrasse zu bauen, zeugen noch einige Kanalschächte, die entlang des Weges wie Podeste aus dem Boden ragen. Die Stadtteilwerkstatt Wüste 2015 brachte viele Ideen für diesen unscheinbaren Ort: Neben gemeinschaftlichen Pflanz- und Ansaataktionen oder dem Aufstellen von Bienenstöcken wurde auch der Bau einer Fuß- und Fahrradbrücke über den Pappelgraben vorgeschlagen. Eine Solche könnte die direkte Verbindung vom Kleingartenverein „Deutsche Scholle“ und dem Moskaubad bis zur Weststadt entstehen lassen.

Gemeinsam mit dem Osnabrücker Künstler David Rauer haben wir dieses Thema unter dem Titel Initiative Brückenschlag aufgegriffen. Dabei war es unser Ziel, zusammen mit den BewohnerInnen und Organisationen des Stadtteils Ideen für eine Überbrückung des Pappelgrabens oder eine lebendige Gestaltung der Schreberstraße zu entwickeln. Der gesamte Prozess und sein Ergebnis wurden offen gestaltet, um den StadtteilbewohnerInnen eine aktive Teilhabe zu ermöglichen. Die Initiative Brückenschlag versteht sich als Botschaft an die Stadt, hier eine dauerhafte Brücke zu schaffen.

Im ersten Schritt waren die StadtteilbewohnerInnen zu einer Wildblumenansaat eingeladen, um gemeinsam entlang eines 3 m breiten Randstreifen eine Mischung aus ca. 40 heimischen Wildblumen auszusäen. Diese Saatmischung wurde vom Osnabrücker Bienenbündnis bereitgestellt und bietet durch ihren Blütenreichtum nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch Nahrung und Lebensraum für viele Tierarten. Rund 70 TeilnehmerInnen beteiligten sich an der Aktion. Im zweiten Schritt bot ein offener Workshop die Möglichkeit, selbst kreativ zu werden. An einem Wochenende reichten interessierte BürgerInnen künstlerische, poetische, sportliche oder spielerische Anregungen ein und bastelten Modelle. Die Spannweite der Ideen reichte von phantasievollen „Brücken-Skulpturen“ bis hin zu Entwürfen, die neben der pragmatischen Überquerung des Pappelgrabens auch einen sozialen Treffpunkt schaffen könnten.

Den Höhepunkt der Initiative Brückenschlag bildete das Straßenfest am Pappelgraben, welches von der Wüsteninitiative und engagierten StadtteilbewohnerInnen organisiert wurde. Hier entwickelte David Rauer eine Raumskulptur, die das Thema aufbauend auf den Ideen des Workshops in einer Form interpretierte, die viele Menschen zusammenführen konnte. Dabei war die Brücke als bewegter Brückenschlag angelegt, der zum Sitzen, Liegen, Verweilen, Reden einlud. Ein Teil diente sogar als Bühne für das Programm. Geradezu herausfordernd war der Steg, der über den Pappelgraben ragte um die Brücke im Kopf zu wecken. So ermöglichte es das sichtbare temporäre Kunstwerk, unsichtbare Brücken und vielfältige Begegnungen zwischen Menschen zu entfalten. In diesem Rahmen konnten die Brückenmodelle der BürgerInnen präsentiert und diskutiert werden.

Später wurden die Ideen und Entwürfe des Workshops der Stadtverwaltung vorgestellt. Dem Vorschlag, die Schreberstraße durch eine Fuß- und Fahrradbrücke zusammenzuführen, steht die Stadt interessiert gegenüber. Eine „Bürger-Brücke“ ist aber auch weiterhin auf das Engagement der StadtteilbewohnerInnen angewiesen. Das Thema wird durch Prof. Dirk Manzke, die Wüsteninitiative und die Stadt Osnabrück weiterhin verfolgt. Dazu gab es inzwischen erste Gespräche.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei Allen bedanken, die die Initiative Brückenschlag unterstützt haben. Besonders möchten wir den bildenden Künstler David Rauer sowie die Mitglieder der Wüsteninitiative herausheben, ohne die das Projekt nicht gelungen wäre.
*Eine ausführliche Dokumentation der Ideen aus der Stadtteilwerkstatt finden Sie hier:  Stadtteilwerkstatt Wüste

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